Ein Technik-Truck zeigt Schülern am Bischof-Sproll-Bildungszentrum,
wie Digitalisierung greifbar wird. An 15 Stationen probierten sie moderne Technologien und Methoden aus.

Biberach Der Mangel an MINT-Arbeitskräften steigt kontinuierlich an. Insbesondere infolge der Digitalisierung bildet sich im Bereich der Informatik eine große Nachwuchslücke. Um die Jugend an das Thema Digitalisierung heranzuführen, kommt das preisgekrönte Projekt „expedition d“ seit 2019 in ganz Baden-Württemberg an die Schulen. Mit einer Länge von 16 Metern und einer Höhe von sechs Metern bietet die Ausstellung ein ungewöhnliches Bild: Es handelt sich hierbei um einen 40 Tonnen schweren Lastwagen.

Durchgeführt wird die „expedition d“ als Teil der Aktion „Coaching4future“, die bereits 2008 ins Leben gerufen wurde. Den Lastwagen können Schulen aller Art per Anmeldung zu sich einladen und von Schülern ab der siebten Klasse besichtigen lassen. Zwei Betreuer führen in das Thema ein, begleiten die Besichtigung und stehen für Fragen bereit. In Biberach übernahmen diese Aufgabe der Mathematiker Lukas Klarner und der Physiker Michael Nagel.

„Ziel ist, zu zeigen, was technisch möglich ist“, sagt Lukas Klarner. „Zudem sollen die Schüler lernen, welche Anwendungen diese Technik findet und welche Berufe oder Ausbildungswege damit zusammenhängen.“ Ein häufiges Vorurteil sei bei Digitalisierung, dass es eine Barriere gebe, die man erst einmal überwinden müsse. „Viele denken, das ist nur was für Nerds oder findet ganz weit weg in den großen Firmen statt“, so Klarner. Es gebe jedoch viele Anleitungen und Hilfsmittel, zum Beispiel im Internet, sodass jeder Interessierte an den Neuerungen der Technologie teilhaben könne.

Er nennt ein Beispiel: Zwei Mädchen aus Biberach seien zu Beginn der Ausstellung verwirrt und überfordert gewesen. Das erfolgreiche Programmieren einer eigenen Handy-App in einem der Workshops hatte ihnen dann jedoch Selbstbewusstsein verliehen und ihr Interesse am Thema geweckt. Das sei genau das Großartige an dem Projekt, fügt Klarner hinzu. Der springende Punkt sei, dass die Schüler im Ausprobieren merkten, dass sie selbst moderne Technik bedienen und verstehen könnten. Dank eines Gebärdendolmetschers konnte in Biberach auch ein gehörloser Schüler die Führung machen.


Neben den Workshops, die im oberen Stockwerk des Trucks durchgeführt werden, findet das Basismodul „Startpunkt Zukunft“ im Raum der Technologien im unteren Stockwerk statt. Hier können die Schüler 90 Minuten lang an 15 Stationen verschiedene Technologien spielerisch kennenlernen. Die Aufgabe ist, eine der entdeckten Erfindungen mit einer eigenen Idee zu verbinden und zum Abschluss im Obergeschoss kurz vorzustellen. Dafür können die Schüler während ihrer Besichtigung auf einem Gruppen-iPad ihre Ideen sammeln.


Eine erfolgreiche Station sei laut Lukas Klarner die Technologie der „Biosignals“. Muskelkraft und Gehirnsignale können mit dieser Erfindung Exoskelette und künstliche Prothesen steuern. An der Station können die Schüler genau das auch selbst ausprobieren und eine Exoskelett-Hand bedienen.


In der Nachbesprechung der Tour stellten die Schüler der 9a ihre Ideen vor: Ein OP-Roboter für das Operieren aus der Ferne und eine Smart-Home-App zur Fernsteuerung der Lichter und Heizung im eigenen Haus stießen auf kurze Diskussionen über Umsetzbarkeit und Sicherheit solcher Projekte. So konnte Betreuer Michael Nagel betonen, wie wichtig Verschlüsselung und Privatsphäre im Netz sind.


Daniel Allgäuer, Klassenlehrer der 9a, hält das Projekt für sinnvoll. An der Schule gebe es bereits einige Versuche, Medienbildung und Digitalisierung in den Unterricht einzugliedern, beispielsweise durch iPad-Klassen ab der Mittelstufe und Programmierkurse in den 10. Klassen.
Die „expedition d“ ergänze jedoch sinnvoll weitere Möglichkeiten zum selbstständigen Ausprobieren.

(Quelle Schwäbische Zeitung vom 12.10.2026 - Niklas Jahrsdörfer)

 

 

 

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